Literaturempfehlung: Döring (2003): Sozialpsychologie des Internet

27 April, 2008

Schon seit ich mir das Buch gekauft habe, wollte ich das Buch Döring (2003): Sozialpsychologie des Internet hier wärmstens empfehlen.

Nicola Döring behandelt das Thema Internet aus einer sozialwissenschaftlichen Richtung und geht dabei sehr fundiert vor und definiert die verschiedenen Kommunikationsweisen, die über das Internet und seine Dienste möglich sind.

Dazu führt sie Kommunikationstheorien ein, die generelle zwischenmenschliche Kommunikation betrachten und fokussiert sie auf ihre Anwendung im Internet. Modernere Theorien direkt zur computervermittelten Kommunikation (cvK) sind natürlich auch dabei. Nicola Döring setzt sich intensiv mit der Rolle der Emotionen in der cvK auseinander und vertritt fundiert die Auffassung, dass sich auch in nicht-face-to-face-Situationen gut und effektiv kommunizieren lässt. Nur eben anders als f2f. Verschiedene Theorien und Ansätze gegeneinander ausspielen zu wollen, ist unsinnig.

Nicola Döring räumt den Konzepten Identität, Soziale Beziehungen und Gruppen im Internet einen großen Raum ein. Methoden der Onlineforschung und Quellen zur sozialwissenschaftlichen Onlineforschung runden das Buch ab.

Obwohl es für Publikationen, die das Internet betreffen schon “uralt” ist, sind die vorgestellten Konzepte weiterhin aktuell.

Dieses Buch kann man sich tatsächlich auch selbst kaufen ;-)


Lernplattform und Datenschutz

27 Februar, 2008

Eine Pressemitteilung der Datenschutzbeauftragten niedersächsischer Hochschulen hat mich wieder einmal nachdenklich gemacht. Dort wird zurecht moniert, dass die personenbezogenen Daten teils rechtswidrig zu lange gespeichert werden.

Hier wird wieder einmal das Spannungsfeld von Datenschutz und Dauerhaftigkeit deutlich. Wenn ich in Richtung einer Personal Learning Environment (PLE) gehen möchte, die dem Lerner idealerweise ein Leben lang verfügbar ist, auf der anderen Seite aber sämtliche Daten löschen muss, die während eines Kurses angefallen sind, habe ich ein Problem, oder?

Wie lässt sich das vereinbaren?

Die einzige Idee, die ich im Moment habe wäre eine PLE, die komplett in der Hand des Lerners ist (bzw. von diesem zu einem Anbieter delegiert wurde) und er somit die Kontrolle über die Daten behält. Diese PLEs können während eines Kurses zusammengeschaltet werden und bilden die Lernumgebung des jeweiligen Kurses.

So weit die Theorie. Im Detail gibt es dann aber viele Fragen. Müssen die Daten redundant in jeder PLE gehalten werden? Gibt es das Wiki und die hochgeladenen Dateien des Kurses dann nicht nur ein mal, sondern auf jeder beteiligten PLE?


Lernen mit neuen Medien - ab wann?

18 Dezember, 2007

Eine Grundschullehrerin, der ich meine Diplomarbeit vorstellte, fragte mich, für welche Zielgruppe ich denn eigentlich schreibe. Anders gefragt, ab wann macht der Einsatz neuer Medien bzw. Werkzeugen des Web2.0 Sinn?
Ich finde das eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Ich würde aber sagen, dass das Lernen mit neuen Medien erst dann Sinn macht, wenn die Kompetenzen zu Reflexivität aufgebaut sind. In dem Lernen in hybriden Lernumgebungen ist ein wesentlicher Aspekt, der immer wieder auftritt, das bewusste Reflektieren des Medieneinsatzes und der Potentiale und Restriktionen der einzelnen Werkzeuge.
Dazu muss aber ein ziemlich fortgeschrittener Reflexionsgrad erreicht sein. Erst einmal muss mit Klafki das gestaltende Handeln erprobt werden, danach erst sollten m.E. neue Medien eingesetzt werden.
Wann ist diese Entwicklungsstufe in etwa erreicht? Ich weiß es nicht, da werde ich jetzt noch einmal recherchieren müssen.


Es tut sich was - Web2.0 in der Schule

18 Dezember, 2007

Es scheint tatsächlich mehr als ein Hype zu sein. Der Rummel um Web2.0 trägt Früchte.
Das Portal Schule Zwo Null (via Gabi Reinmann) richtet sich explizit an LehrerInnen, die ihren Unterricht nach konstruktivistischer Didaktik gestalten wollen und gibt sehr praktische Hinweise, wie die verschiedenen Tools, die es inzwischen für das kollaborative Lernen gibt, im Unterricht sinnvoll verwendet werden können.
In dem Projekt Web2.0 Klasse, das Werkzeuge des Web2.0 eingesetzt und die Ergebnisse in einem Wiki veröffentlicht hat, hat der Einsatz der kollaborativen Werkzeuge einen sehr positiven Einfluss auf die Lernmotivation (via edublog-phr). Das ist doch erfreulich. Gleichzeitig muss aber noch viel an den Rahmenbedingungen geschehen, damit Web2.0 im Unterricht tatsächlich genutzt werden kann.

Auch an diesen beiden Beispielen wird wieder deutlich, dass es bei Web2.0 nicht um die technischen Neuerungen geht, sondern vielmehr um eine veränderte Betrachtungsweise der Möglichkeiten. In dem Sinne stimme ich den Überlegungen von Helge Städtler zu dem Buzzword Web2.0 auch voll zu.


Sicherheit oder Überwachungswahn?

19 Juli, 2007

Unser Innenminister ist außer Rand und Band was die Vorschläge neuer “Sicherheitsmaßnahmen” gegen jedwede Gefahren anbelangt. Das Internet soll auch ein rechtstaatlicher Ort werden, in dem alles kontrolliert und gesittet ablaufen soll. Sorry, aber ich kanns nicht mehr hören.
Die Zeitung “Das Parlament” schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe (29/30 S.5) sehr deutlich, dass es sich hierbei sicherlich um Kalkül handelt, mit dem bewusst viele Tabus gebrochen werden sollen, um dann die eigentlichen Schweinereien tatsächlich durch das Parlament zu bekommen, ohne dass die Aufregung allzu groß ist, weil die sich schon an den Tabubrüchen abgearbeitet hat. Machiavelli lässt grüßen. Und Otto Schily hat es mit dem Otto-Katalog ja auch erfolgreich vorgemacht.

Es regt sich aber langsam Widerstand. In der Blogosphäre gibt es die Aktion NoPSIS, die von Klaus Wockenfoth ins Leben gerufen wurde. NoPSIS steht für “No Programm zur Stärkung der Inneren Sicherheit”. Es sollen Vorschläge geschickt werden, die später dem Innenminister präsentiert werden sollen, damit er sich mal informieren kann, was Verfassung eigentlich bedeutet. Eine Unterschriftenaktion ist auch online.

Man wird sehen was es bringt, auf jeden Fall tut Widerstand hier Not! Wenn dann noch so ein Unsinn wie mit dem “Hackerparagraphen” passiert erst recht!

Was hat das Ganze mit E-Learning zu tun?
Die Auseinandersetzung mit Datenschutz ist gerade für den Bereich E-Leraning sehr relevant und wird m.E. häufig etwas zu lachs gesehen. Allerdings ist auch hier Bewegung drin. In der Community zur Lernplattform Moodle wird über die Anforderungen des Datenschutzes diskutiert und demnächst in die internationale Community hineingetragen.
Die Reflexion über Datenschutz ist sehr wichtig. Wenn dann von staatlicher Seite ein Angriff auf den Datenschutz gefahren wird oder zumindest gut gemeintes deutlich übertrieben wird, muss das auch die Anbieter von E-Learning zum Nachdenken bringen. Gerade Bildungsprozesse sind meist ein Resultat von dem Umgang mit Freiheit. Wenn diese Freiheit nicht mehr zur Verfügung steht, fallen ungerichtete, ungeplante und ungesteuerte Lernprozesse auch deutlich seltener aus.


Lehrer haften für ihre Schüler?

28 Juni, 2007

Die rigorosen und sehr restriktiven und einschränkenden Urteile des Hamburger Landgerichts gegenüber Betreibern von Web2.0 Plattformen sind ja in der Blogosphäre viel kommentiert worden.

Was aber bedeuten die Urteile für das E-Learning in Bildungseinrichtungen? Wenn ein Teilnehmer einen anderen verunglimpft, und sei es in der Hitze der Diskussion, ist der Betreiber, also der Anbietende der Lehrveranstaltung für die Äußerung haftbar? Das wäre eine sehr krasse Konsequenz und könnte grobe Auswirkungen auf das Anbieten von solchen Portalen haben. Also nicht nur “freie” Portale im Internet wären betroffen, sondern auch zu Bildungszwecken eingesetzte Lernumgebungen. Ganz abgesehen davon, dass es unsinnig wäre, da für in Seminaren getroffene Aussagen (meines Wissens) die Veranstalter nicht belangt werden können.

Oder liege ich mit meiner Einschätzung falsch, weil es quasi geschlossene Veranstaltungen sind o.ä.? Da fehlt mir das Fachwissen.

Zum Glück ist die Rechtsprechung außerhalb des LG Hamburg deutlich realistischer und das LG Hamburg steht mehr und mehr isoliert da.


Web2.0 in der Hochschule

27 Juni, 2007

Auch wenns langsam langweilig wird, weil alle drüber berichten… Noch druckfrisch hier der Bericht von Franklin und van Harmelen vom 28.5.2007 zu Web2.0 in der Hochschule. Kritisch setzt sich Peter Baumgartner mit Social Software im Hochschulbereich auseinander.

via Deutscher Bildungsserver hier und hier


Bedeutung von E-Learning für Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

27 Juni, 2007

Ein Freund von mir hat mir eine Email geschickt mit der Bitte um Stellungnahme und Literaturtipps. Es ging um einen Text, der sich mit E-Learning und “environmental education” befasst. Environmental Education ist im englischen Sprachgebrauch nicht sehr gut umrissen und es werden teilweise Bildungskonzepte, die versuchen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) zu sein, auch so benannt. Hier war es in einem weiteren Kontext gemeint.
Dazu habe ich ihm eine Mail zurückgeschrieben, die ich hier posten möchte, weil ich gern dazu Kommentare hätte.

———- schnipp —————
Moin,

die wenigen Publikationen, die angeben, E-Learning mit BNE zu verknüpfen, sind meist sehr ausschweifend und nichtssagend. Es werden einige Allgemeinplätze zu E-Learning gebracht (die zwar korrekt, aber nicht sonderlich besonders sind), um danach ob der vermeintlichen oder tatsächlichen Vorteile von E-Learning zusammenhangslos auf BNE zu verweisen.

Literatur zur echten Verknüpfung von E-Learning und BNE habe ich nicht wirklich gefunden, auch wenn ich sie bitter gebraucht hätte. Im Prinzip versuche ich in meiner Diplomarbeit genau diesen Zusammenhang zu prüfen.

Ziemlich gut zum Thema E-Learning ist das Buch
Haake, Jörg; Schwabe, Gerhard & Wessner, Martin (2004): CSCL-Kompendium: Lehr- und Handbuch zum computerunterstützten kooperativen Lernen. München u.a.

Da kommen so ziemlich alle wesentlichen Aspekte drin vor. Die Brücke zu BNE kann darüber geschlagen werden, dass dem CSCL (also computer supported collaborative learning) eine sehr ähnliche konstruktivistische Lernsicht zu Grunde liegt wie bei der BNE. Aber CSCL ist nicht alles, was E-Learning genannt wird.

———– schnipp ————-

So weit die Mailantwort. Ist natürlich zugespitzt, aber ich stehe trotzdem dazu. Kennt irgend jemand Literatur, die versucht, diese Brücke zu schlagen?


Lesenswerter Artikel zu Web2.0 - Charakteristiken und Potenziale

25 Mai, 2007

Stefanie Panke hat einen kompakten und gut zu lesenden Überblicksartikel zu den Charakteristika und Potenzialen von Web2.0 auf e-teaching.org veröffentlicht.

Via Deutscher Bildungsserver


SPIEGEL Online und Neue Medien im Unterricht

25 Mai, 2007

Weil ich nun schon angefangen hatte… SPIEGEL Online scheint das Thema Mediennutzung im Unterricht zu gefallen. Diesmal ist es ein vergleichsweise positiver Artikel über die Nutzung Neuer Medien im Unterricht. Die skeptische Meinung des Autoren ist zwar nur mit Mühe zu überlesen, aber der Grundtenor ist ein anderer als in den vorherigen Berichten, namentlich diesem und diesem.


Video zur Reichhaltigkeit des Medieneinsatzes

18 Mai, 2007

Dieses Video geht zur Zeit durch die Bildungsblogs. Ich denke, das ist es auch wert. Mit Quellenangaben versehen werden hier einige Zahlen zur Nutzung von Medien in der Freizeit und im Unterricht zusammengebracht. Message ist, dass die Reichhaltigkeit des Medieneinsatzes verstärkt werden sollte, um mehr Lernende zu erreichen und zu aktivieren. In der Wissenschaft wird das ja schon lang beschrieben, aber in dieser Präsentation ist es schön aufbereitet.

Die Bandbreite von Teachertube, wo das Video auch zu sehen ist, ist ziemlich schwach. Besser ist sie auf den Seiten der Produzenten des Videos. Die Anbieter des Videos haben zwar ein wirtschaftliches Interesse dahinter (”Please see http://t4.jordandistrict.org/payattention to learn how you can become a better teacher.”), trotzdem ist es auch als genereller Anstoß geeignet.

Via Mandy Schiefner oder e-Learning Blog


Und nochmal und nicht besser - SPIEGEL und Laptops

16 Mai, 2007

Heute schlachtet SPIEGEL-Online die Laptopgeschichte noch einmal aus. Nicht minder journalistisch aufgepeppt wie der erste Artikel. Im Grunde wird wieder die selbe Geschichte erzählt. Nur eben nochmal, vielleicht damit es schlimmer wirkt. Die in meinem früheren Eintrag dazu stehenden Erwiderungen bleiben natürlich bestehen, sie sollen hier nicht noch einmal aufgewärmt werden.

Großartig finde ich die Idee, einen getrennten “Technologie-Flügel” einzurichten, in dem gezielt der Umgang mit dem Werkzeug PC trainiert werden soll. So soll Webdesign oder “3D-Architektur” unterrichtet werden. Das konterkariert so ziemlich jeden Versuch, die Vorzüge des kollaborativen Lernens mit neuen Medien in den Unterricht zu bringen.
Damit werden die Werkzeuge isoliert und in einen Streichelzoo gesteckt, in dem sie einzeln und ohne Kontext ausprobiert werden können. In den “klassischen Kernfächern wie Englisch, Mathe und Geschichte” soll der Einsatz eingedämmt werden. Also gerade dort, wo kollaboratives Lernen sehr effektiv sein kann wie im Geschichtsunterricht.

Einige der Kritikpunkte werden auch im Forum zu dem Artikel angesprochen. Es tauchen überwiegend kritische Stimmen zu dem Artikel auf. Es wird dort auch auf den Artikel von Gabi Reinmann verwiesen.


Laptopschulen - Große Medienaufregung

14 Mai, 2007

Das scheint ja ein Wespennest zu sein. Lustig.
Ich denke auch, dass die Aufregung eigentlich ziemlich überkandidelt ist. Schulen ans Netz hat sich dazu jetzt auch eingeschaltet und mahnt zu zurückhaltender Bewertung. Sie zitieren drei wesentliche Punkte, die Gabi Reinmann in ihrem Artikel im Blog veröffentlicht hat.

Beats Biblionetz hat den Artikel aufgenommen. Dort ist er auch im Volltext einsehbar.


PDF-Sammlung zu CSCL

10 Mai, 2007

Sebastian Pütz hat sich in seinem Blog die Mühe gemacht, viele PDFs zum Computer Supported Collaborative Learning (CSCL) zusammenzutragen. Die PDFs sind alle online verfügbar und können frei heruntergeladen werden.


Laptopschulen ohne Laptop

8 Mai, 2007

Spiegel Online berichtet darüber, dass erste Schulen in den USA nun die Ausstattung der Schüler mit Laptops wieder rückgängig machen. Gründe dafür seien, dass die Schüler keine besseren Ergebnisse vorweisen könnten und die Lernprogramme nutzlos wären und lieber Pornos runtergeladen würden als Fakten zu pauken.

Meiner Ansicht nach muss das etwas differenziert betrachtet werden. Mal abgesehen davon, dass die Quelle Spiegel Online ist und demnach auch zu einem Gutteil journalistisch wirkungsvoll sein soll stecken einige Unklarheiten in der Bewertung.

Was sollte denn gelehrt werden? Sollte es reines Faktenwissen gewesen sein und die Schüler hatten dazu am Rechner nicht mehr Lust als in einer Präsenzveranstaltung, dann ist es nicht weiter verwunderlich. Der Unterricht sei schwieriger geworden, so wird zitiert. Das stimmt vielleicht. Vor allem aber erst einmal anders.
Für mich deutet das mal wieder auf eine Kollision von Lernverständnissen hin. Langweilige unzusammenhängende Daten zu lernen wird auch mit dem Computer oder mit “Neuen Medien” nicht aufregender oder einfacher. Für das Lernen in sozialen Zusammenhängen und an komplexen, lebensweltlichen, situierten Fragestellungen ist der Computer durchaus geeignet - wenn das didaktische Design drumrum stimmt.

Hier wird ein wenig auf das falsche Ende eingedroschen scheint mir… Es geht immer mehr darum, Kompetenzen zu vermitteln und das ist eben nicht so leicht. Hier wäre aber z.B. die Reflexion des Umgangs mit dem Rechner angebracht. Nicht nur auf Ebene der Lehrer, sondern auch auf der Ebene der Schüler. Genau in dieser Reflexion besteht das große Potential der Nutzung der Neuen Medien im Unterricht.

Diese Nachricht hat wohl auch andere animiert, sich darüber Gedanken zu machen.

Nachtrag: Ich habe Rückendeckung bekommen. Gabi Reinmann schreibt in viel schöneren Worten, was ich hier nur kurz skizziert habe.

Nachtrag II: Das Thema scheint in der Tat zu bewegen: Der eduFutureBlog hat sich auch damit beschäftigt.


E-Learningpush durch die Twintowersfällung?

5 Mai, 2007

Etwas Interkulturalität tut der Diskussion um E-Learning m.E. ganz gut. Ein kleiner Blick über den Tellerrand hat mich auf eine für mich überraschende These gestoßen.

Janet Clarey beschreibt in dem Buch “E-Learning 101″, das inzwischen als eBook frei verfügbar ist, den Zusammenhang von den Anschlägen des 11.9.2001 und E-Learning. Nach ihrer These haben Distanz-Technologien wie Videokonferenz und kollaborative Instrumente im Allgemeinen und hat E-Learning im Speziellen gewaltig an Auftrieb bekommen, weil die Firmen sich nicht mehr getraut haben, ihre Mitarbeiter ins Flugzeug zu setzen. Das hat auch Auswirkungen auf die Fortbildung der Mitarbeiter und damit auf das E-Learning.

Vieles in diesem Bereich kommt ja aus den USA, bzw. wird dort zuerst ausprobiert. Insofern ist dieser Zusammenhang nicht ganz unwichtig. Inwieweit er Einfluss auf die Art und Weise der Nutzung und die Gestaltung der Instrumente hat ist eine andere Frage, der es sich sicherlich einmal lohnt nachzugehen.

Den Hinweis auf das eBook habe ich aus dem Weiterbildungsblog bekommen. Dank dafür.


Neue Generationen im E-Learning?

2 Mai, 2007

Der Versionswechsel geht um. Überall findet man einen Übergang von einsnuller Versionen zu 2.0 Web2.0 ist in aller Munde und nun soll auch E-Learning von 1.0 zu 2.0 werden. Kerres fasst hier einige Merkmale zusammen, die diesen Übergang markieren sollen. Inzwischen erzeugt der Lerner den Content, Lernen wird ubiquitär, findet also nicht mehr nur in Institutionen statt und die bislang private Angelegenheit des Lernens wird öffentlich, in dem der Lernprozess dargestellt wird z.B. durch die (auch gehypten) ePortfolios. Dazu ein Arbeitsbericht von Seufert & Euler (2007a) und ein Kommentar dazu im Weiterbildungsblog.
Seufert (2007b:14) bezweifelt allerdings, ob die Veränderungen ausreichen, um tatsächlich von einem Grundlegenden Wandel im E-Learning zu sprechen. Überhaupt ist es ganz spannend, Kerres und Seufert & Euler (2007b) parallel zu lesen und die Argumentationen zu vergleichen.

Zu den Generationen gibt es noch ein paar spannende andere Arbeiten. Oblinger & Oblinger (2005) werfen den Begriff der Net Generation oder noch cooler Net Gen auf. Der Bericht ist ganz interessant zu lesen. Zentrale Aussage ist es, dass die neuen Technologien in der Net Gen (also grob denjenigen, die zur Jahrtausendwende noch keine 18 Jahre alt waren) angekommen sind und schon nicht mehr als Technologien wahrgenommen werden, sondern als Werkzeuge.
Einen Ansatz, wie diese neuen Anforderungen umgesetzt werden können, stellen Jafari et al. (2006) vor. Hier finden wir auch den Zusammenhang von E-Learning1.0 und E-Learning2.0 und den Generationen. Im E-Learning2.0 soll es vor allem Personal Learning Environments, also persönliche Lernumgebungen geben, die ein Leben lang dem Lerner bereit stehen und ein persönliches Portal zum Weltwissen bilden.

Literatur

Jafari, A.; McGee, P. & Carmean, C (2006): Managing Courses, Defining Learning: What Faculty, Students, and Administrators Want. In: EDUCAUSE Review 41 (4) S. 50-71. http://www.educause.edu/er/ (05.04.2007)

Kerres, Michael (2006): Potentiale von Web 2.0 nutzen. http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/files/web20-a.pdf (02.05.2007)

Oblinger, Diana & Oblinger, James (2005): Is It Age or IT: First Steps Toward Understanding the Net Generation. In: Oblinger, Diana & Oblinger, James (Hrsg.): Educating the Net Generation, S. 2.1-2.20. http://www.educause.edu/educatingthenetgen/ (03.04.2007)

Seufert, Sabine & Brahm, Taiga (Hrsg.) (2007a): Ne(x)t Generation Learning - E-Assessment und E-Portfolio: halten sie, was sie versprechen? SCIL-Arbeitsberichte. St. Gallen. http://www.scil.ch/publications/reports/2007-03-brahm-seufert-next-generation-learning.pdf (02.05.2007)

Seufert, Sabine & Brahm, Taiga (Hrsg.) (2007b): Ne(x)t Generation Learning - Wikis, Blogs, Mediacasts & Co. - Social Software und Personal Broadcasting auf der Spur. SCIL-Arbeitsberichte. St. Gallen. http://www.scil.ch/publications/reports/2007-02-euler-seufert-next-generation-learning.pdf (04.04.2007)


E-Learning über E-Learning

20 April, 2007

Ich bin bei meiner Recherche zu E-Learning auf zwei ganz interessante Links gestoßen, die ich hier nicht vorenthalten möchte. Vielleicht trage ich später noch mal alle bisher gefundenen Seiten nach, das hängt auch von dem Interesse und der Rückmeldung ab.
In einem Seminar an der Johannes Keppler Universität in Linz haben Studierende Grundlagen zu E-Learning zusammengetragen. Zur Übersicht über das Thema ist das ganz gut geworden, überwiegend gut recherchiert und dargestellt.

http://elearn.jku.at/wiki/index.php/Gestalten_und_Evaluieren_von_eLearning_Szenarien

Ähnliches gilt für ein anderes Seminar:

http://elearn.jku.at/wiki/index.php/Projektseminar_eLearning

Ich habe unter del.icio.us mal angefangen, Links zusammenzutragen

To be continued. Hinweise nehme ich gern mit auf.

Anmerkung: Zu diesem Artikel gab es einen Kommentar


Media Richness Theory ist out

20 April, 2007

Wie es scheint, sind die Tage der Media Richness Theory abgelaufen. Das was Daft & Lengel (1986) sich überlegt hatten, ist nach Ansicht der Autoren einiger jüngerer Artikel (u.a. Schwabe 2004) wohl nicht mehr haltbar.

Aktueller ist grade wohl die Media Synchronicity Theorie. Alan Dennis und Kollegen haben aus der Media Richness Theory eine neue Theorie entworfen, die auch und gerade für neue Medien ganz gut anzuwenden ist.

Grundsätzlich ist das Potential von Medien in fünf Faktoren festgelegt:

  1. Geschwindigkeit des Feedbacks
    Wie schnell erhält der Sender ein Feedback? Bei Face-to-Face sehr schnell, bei einem Brief langsam
  2. Symbolvarietät
    Auf wie viele Weisen können Informationen zu einem Kommunikationsvorgang übermittelt werden?
  3. Parallelität
    Wie viele unterschiedliche Kommunikationsvorgänge können gleichzeitig nebenbei laufen?
  4. Überarbeitbarkeit
    Inwiefern kann die Nachricht vor dem Senden überarbeitet werden? Eine Aussage kann im Kopf nur schwierig überarbeitet werden, ein in einer Mail geschriebener Satz schon leichter.
  5. Wiederverwendbarkeit
    Wie kann der Inhalt der Botschaft weiterverwendet werden? Gesprochenes Wort ist schwieriger zu verwenden als geschriebener Text

Im Kommunikationsprozess laufen abwechselnd divergente und konvergente Prozesse. In den divergenten werden Informationen gesammelt und vielen Leuten zur Verfügung gestellt. In den konvergenten Phasen werden die Informationen verdichtet. Je nach Stadium sind unterschiedliche Medien unterschiedlich gut geeignet. In den divergenten Phasen sind Medien mit geringer Synchronizität besser geeignet, in konvergenten ist es besser, sich mit hoher Synchronizität auf das Ergebnis zu konzentrieren.
Allein hier wird schon ersichtlich, dass es kein eines “reiches” Medium geben kann, das für alle Situationen gut geeignet ist. Wieder einmal kommt es auf den Kontext an. Patentrezepte sind nunmal nicht so ohne Weiteres zu haben.

Auf jeden Fall bietet die Theorie einen ganz hilfreichen Rahmen, um Kommunikationsprozesse über neue Medien zu durchdenken und sich besser zu überlegen, wann welches Werkzeug sinnvoll eingesetzt werden kann und wann es nur als reiner Selbstzweck gebraucht würde.

Literatur hierzu

Daft, Richard & Lengel, Robert (1986): Organizational Information - Requirements, Media Richness and Structural Design. In: Management Science 32 (5) S. 554-571.

Dennis, Alan & Valacich, Joseph (1999): Rethinking Media Richness: Towards a Theory of Media Synchronicity. In: Proceedings of the 32nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Dennis, Alan; Valacich, Joseph; Speier, Cheri & Morris, Michael (1998): Beyond Media Richness: An Empirical Test of Media Synchronicity Theory. In: Proceedings of the 31nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Schwabe, Gerd (2004): Medienwahl. In: Haake, J.M., Schwabe, Gerd, & Wesser, M. (Hrsg.): CSCL-Kompendium. München, S. 265- 274.


Literatur zu E-Learning

20 April, 2007

In dieser Liste werde ich die Literatur, die mir zu dem Thema E-Learning über den Weg läuft (und die ich in meiner Diplomarbeit nutzen konnte), veröffentlichen. Vielleicht hilft sie anderen bei der Recherche.

Astleitner, Hermann (2002): Qualität des Lernens im Internet: virtuelle Schulen und Universitäten auf dem Prüfstand. Frankfurt am Main u.a.

Baumgartner, Peter; Häfele, Hartmut & Maier-Häfele, Kornelia (2002): E-Learning Praxishandbuch: Auswahl von Lernplattformen; Marktübersicht - Funktionen - Fachbegriffe. Innsbruck u.a

Bonk, Curtis Jay & Graham, Charles Ray (2006): The handbook of blended learning: global perspectives, local designs. San Francisco, Calif.

Buschor, Ernst (2005): Möglichkeiten und Grenzen des E-Learning. In: Miller, Damian (Hrsg.): E-Learning - Eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern u.a., S. 208-214.

Daft, Richard & Lengel, Robert (1986): Organizational Information - Requirements, Media Richness and Structural Design. In: Management Science 32 (5) S. 554-571.

Dennis, Alan & Valacich, Joseph (1999): Rethinking Media Richness: Towards a Theory of Media Synchronicity. In: Proceedings of the 32nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Dennis, Alan; Valacich, Joseph; Speier, Cheri & Morris, Michael (1998): Beyond Media Richness: An Empirical Test of Media Synchronicity Theory. In: Proceedings of the 31nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Döring, Nicola & Fellenberg, Franziska (2005): Soziale Beziehungen und Emotionen beim E-Learning. In: Miller, Damian (Hrsg.): E-Learning - Eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern u.a., S. 134-155.

Euler, Dieter; Hasanbegovic, Jasmina; Kerres, Michael & Seufert, Sabine (2006): Handbuch der Kompetenzentwicklung für E-Learning-Innovationen: eine Handlungsorientierung für innovative Bildungsarbeit in der Hochschule. Bern

Graham, Charles Ray (2006): Blended Learning Systems - Definition, Current Trends, and Future Directions. In: Bonk, Curtis Jay & Graham, Charles Ray (Hrsg.): The handbook of blended learning: global perspectives, local designs. San Francisco, Calif., S. 3-21.

Hörisch, Jochen (1997): Mediengenerationen. Frankfurt am Main

Jafari, A.; McGee, P. & Carmean, C (2006): Managing Courses, Defining Learning: What Faculty, Students, and Administrators Want. In: EDUCAUSE Review 41 (4) S. 50-71. http://www.educause.edu/er/ (05.04.2007)

Jäncke, Lutz (2005): E-Learning aus der Sicht der Neuropsychologie. In: Miller, Damian (Hrsg.): E-Learning: eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern u.a., S. 83-114.

Kerres, Michael (1998): Multimediale und telemediale Lernumgebungen: Konzeption und Entwicklung. München

Kerres, Michael (2001): Multimediale und telemediale Lernumgebungen: Konzeption und Entwicklung. München u.a.

Kerres, Michael (2005): Didaktisches Design und E-Learning. In: Miller, Damian (Hrsg.): E-Learning: eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern u.a., S. 156-182.

Kienle, Andrea (2003): Integration von Wissensmanagement und kollaborativem Lernen durch technisch unterstützte Kommunikationsprozesse. Lohmar

Koper, R. (2005): Learning design: a handbook on modeling and delivering networked education and training. Berlin

Koschmann, Timothy D.; Hall, Rogers & Miyake, Naomi (2002): CSCL 2: Carrying forward the conversation. Mahwah N.J.

Kreijns, Karel (2004): Sociable CSCL Environments - Social Affordances, Sociability, and Social Presence.

http://www.ou.nl/Docs/Expertise/OTEC/Publicaties/karel%20kreijns/Dissertation%2010%20May%202004.pdf (16.3.2007)

Kremer, Hans Hugo (2002): Offene webbasierte Lernumgebungen - E-Learning in der beruflichen Rehabilitation. Paderborn

Mandl, Heinz; Kopp, Birgitta & Dvorak, Susanne (2004): Aktuelle theoretische Ansätze und empirische Befunde im Bereich der Lehr-Lern-Forschung – Schwerpunkt Erwachsenenbildung.

http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2004/mandl04_01.pdf (28.12.06)

Merkt, Marianne (2005): Die Gestaltung kooperativen Lernens in akademischen Online-Seminaren. Münster u.a.

Miller, Damian (Hrsg.) (2005): E-Learning: eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern u.a.

Niegemann, Helmut M.; Hessel, Silvia; Deimann, Markus; Hochscheid-Mauel, Dirk; Aslanski, Kristina & Kreuzberger, Gunther (2004): Kompendium E-Learning. Berlin

O’Reilly, Tim (2005): What Is Web 2.0 - Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software.

http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html (4.4.07)

Oblinger, Diana & Oblinger, James (2005): Is It Age or IT: First Steps Toward Understanding the Net Generation. In: Oblinger, Diana & Oblinger, James (Hrsg.): Educating the Net Generation, S. 2.1-2.20. http://www.educause.edu/educatingthenetgen/ (03.04.2007)

Renkl, Alexander (1994): Träges Wissen: Die “unerklärliche” Kluft zwischen Wissen und Handeln. München http://epub.ub.uni-muenchen.de/archive/00000149/

Roberts, Tim S. (2005): Computer-supported collaborative learning in higher education. Hershey, Pa.; London

Röll, Franz Josef (2003): Pädagogik der Navigation: selbstgesteuertes Lernen durch Neue Medien. München

Scheffer, Ute & Charlier, Michael (2003): E-Learning: Die Revolution des Lernens gewinnbringend einsetzen. Stuttgart

Schulmeister, Rolf (2003): Lernplattformen für das virtuelle Lernen: Evaluation und Didaktik. München u.a.

Schwabe, Gerd (2004): Medienwahl. In: Haake, J.M., Schwabe, Gerd, & Wesser, M. (Hrsg.): CSCL-Kompendium. München, S. 265- 274.

Seufert, Sabine (2007): “Ne(x)t Generation Learning“ – Was gibt es Neues über das Lernen? In: Seufert, Sabine & Brahm, Taiga (Hrsg.): Ne(x)t Generation Learning - Wikis, Blogs, Mediacasts & Co. - Social Software und Personal Broadcasting auf der Spur. St. Gallen, S.

Seufert, Sabine & Brahm, Taiga (Hrsg.) (2007): Ne(x)t Generation Learning - Wikis, Blogs, Mediacasts & Co. - Social Software und Personal Broadcasting auf der Spur. SCIL-Arbeitsberichte. St. Gallen. http://www.scil.ch/publications/reports/2007-02-euler-seufert-next-generation-learning.pdf (04.04.2007)

Seufert, Sabine & Euler, Dieter (2005): Learning Design: Gestaltung eLearning-gestützter Lernumgebungen in Hochschule und Unternehmen. St. Gallen

Seufert, Sabine & Mayr, Peter (2002): Fachlexikon e-le@rning: Wegweiser durch das e-Vokabular. Bonn

Short, John; Williams, Ederyn & Christie, Bruce (1976): The social psychology of telecommunications. London

Spears, Russel; Postmes, Tom & Wolbert, Anka (2001): The influence of ICT on society and government. - Social Psychological Influence of ICTs on Society and their Policy Implications.

http://192.87.107.35/english/spearssam.html (16.3.2007)

Sudweeks, Fay; McLaughlin, Margaret L. & Rafaeli, Sheizaf (1998): Network and netplay: virtual groups on the Internet. Menlo Park, CA

Tergan, Sigmar-Olaf & Schenkel, Peter (2004): Was macht E-Learning erfolgreich? Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung. Berlin

Zawacki-Richter, Olaf (2004): Ansätze des betrieblichen Kompetenzmanagements und ELearning-Szenarien. Frankfurt am Main