Media Richness Theory ist out

Wie es scheint, sind die Tage der Media Richness Theory abgelaufen. Das was Daft & Lengel (1986) sich überlegt hatten, ist nach Ansicht der Autoren einiger jüngerer Artikel (u.a. Schwabe 2004) wohl nicht mehr haltbar.

Aktueller ist grade wohl die Media Synchronicity Theorie. Alan Dennis und Kollegen haben aus der Media Richness Theory eine neue Theorie entworfen, die auch und gerade für neue Medien ganz gut anzuwenden ist.

Grundsätzlich ist das Potential von Medien in fünf Faktoren festgelegt:

  1. Geschwindigkeit des Feedbacks
    Wie schnell erhält der Sender ein Feedback? Bei Face-to-Face sehr schnell, bei einem Brief langsam
  2. Symbolvarietät
    Auf wie viele Weisen können Informationen zu einem Kommunikationsvorgang übermittelt werden?
  3. Parallelität
    Wie viele unterschiedliche Kommunikationsvorgänge können gleichzeitig nebenbei laufen?
  4. Überarbeitbarkeit
    Inwiefern kann die Nachricht vor dem Senden überarbeitet werden? Eine Aussage kann im Kopf nur schwierig überarbeitet werden, ein in einer Mail geschriebener Satz schon leichter.
  5. Wiederverwendbarkeit
    Wie kann der Inhalt der Botschaft weiterverwendet werden? Gesprochenes Wort ist schwieriger zu verwenden als geschriebener Text

Im Kommunikationsprozess laufen abwechselnd divergente und konvergente Prozesse. In den divergenten werden Informationen gesammelt und vielen Leuten zur Verfügung gestellt. In den konvergenten Phasen werden die Informationen verdichtet. Je nach Stadium sind unterschiedliche Medien unterschiedlich gut geeignet. In den divergenten Phasen sind Medien mit geringer Synchronizität besser geeignet, in konvergenten ist es besser, sich mit hoher Synchronizität auf das Ergebnis zu konzentrieren.
Allein hier wird schon ersichtlich, dass es kein eines „reiches“ Medium geben kann, das für alle Situationen gut geeignet ist. Wieder einmal kommt es auf den Kontext an. Patentrezepte sind nunmal nicht so ohne Weiteres zu haben.

Auf jeden Fall bietet die Theorie einen ganz hilfreichen Rahmen, um Kommunikationsprozesse über neue Medien zu durchdenken und sich besser zu überlegen, wann welches Werkzeug sinnvoll eingesetzt werden kann und wann es nur als reiner Selbstzweck gebraucht würde.

Literatur hierzu

Daft, Richard & Lengel, Robert (1986): Organizational Information – Requirements, Media Richness and Structural Design. In: Management Science 32 (5) S. 554-571.

Dennis, Alan & Valacich, Joseph (1999): Rethinking Media Richness: Towards a Theory of Media Synchronicity. In: Proceedings of the 32nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Dennis, Alan; Valacich, Joseph; Speier, Cheri & Morris, Michael (1998): Beyond Media Richness: An Empirical Test of Media Synchronicity Theory. In: Proceedings of the 31nd Hawaii International Conference on System Sciences, Hawaii.

Schwabe, Gerd (2004): Medienwahl. In: Haake, J.M., Schwabe, Gerd, & Wesser, M. (Hrsg.): CSCL-Kompendium. München, S. 265- 274.

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