Web2.0 und Umweltinformatik

4 Mai, 2008

Es gibt unzählige Definitionsversuche und Beschreibungen, was Web2.0 denn sein soll bzw. könnte. Viele versuchen sich an dem Buzzword, andere kritisieren ihn heftig, Ableger wie E-Learning2.0 bilden sich – inspiriert von der Diskussion um den Begriff – aus.

Jeder Begriff steht nicht nur für sich, sondern in einem spezifischen Diskurszusammenhang. Nur mit dem Hintergrund kann der Begriff „richtig“ verstanden werden.

Ich denke, dass es gar nicht notwendig ist, Web2.0 zu definieren. Ich möchte nicht den vielen Versuchen einen weiteren unvollkommenen hinzufügen, sondern versuchen, einige Leitplanken aufzuzeigen, wo Prinzipien des Web2.0 für die Umweltinformatik relevant sein können.

Im Anschluss an den letzten Beitrag liegt es nahe, den User Generated Content noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Mit dem Nutzen des Wissens der User können implizite Daten (in Analogie zum impliziten/expliziten Wissen) zugänglich gemacht werden. Damit ist gemeint, dass Informationen, die die User normalerweise für trivial empfinden, weil sie in ihrer Domäne liegen durch geeignete Anreizumgebungen trotzdem einsgespiesen werden und damit dem Gesamtsystem und den anderen Nutzern zur Verfügung stehen. Auch Informationen, die den Nutzern nicht beständig bewusst sind, durch entsprechende Anreize vom System oder anderen Nutzern aber benannt werden können, gehören dazu.
Dass viele Nutzer etwas beisteuern zeigt sich auch im Bereich des partizipativen GIS (PGIS). Die openstreetmap wächst und wächst.

Mittels Folksonomy können die Daten mit Metatags versehen werden, damit sie auch für eine semantische Suche zur Verfügung stehen. Hier ist allerdings eine Verknüpfung eines Bottom-up-Ansatzes (Folksonomy) mit einem Top-Down-Ansatz (Verschlagwortung von „Schlagwortprofis“) anzustreben, um hier die besten Ergebnisse zu erzielen (vgl. Gruber 2005).

User Generated Content gibt es nicht nur im Internet, auch in abgeschlossenen Unternehmensnetzwerken können die Vorteile genutzt werden. Bestehende ERP-Systeme wie bspw. SAP R/3 funktionieren zwar auch nur, wenn jeder Daten mit einbringt, allerdings ist dort vorher genau definiert, wer welche Daten einzubringen hat.

Die Maßgabe, den Nutzer schon frühzeitig in die Erstellung des Softwaretools mit einzubeziehen kann in der UI auch stärker genutzt werden. Dies geht mit Forderungen der Informatik einher, partizipativ zu entwickeln (z.b. Christane Floyd mit ihrem STEPS-Konzept).

Damit werden die UI-Tools auch zur „perpetual beta„, die sich wandelnden Nutzerinteressen und -bedürfnissen anpassen kann. Dazu sind moderne und flexible Programmierparadigmen notwendig.

Der „long tail“ kann dadurch genutzt werden, dass es dem Nutzer möglich ist, eigene Datenkategorien aufzumachen und Daten einzuspeisen, an die die Programmiererin nicht gedacht hat. Damit kommt eine Menge mehr an Daten zusammen, die auch für „Mainstreamanfragen“ genutzt werden können.

Kooperative Planungsprozesse
erfordern Umgebungen, die es dem Nutzer ermöglichen in das Geschehen einzugreifen und Dinge verändern zu können. Tools wie Wikis, Foren oder Whiteboards können hierzu genutzt werden.

Kooperatives Modellieren ist ein weiterer Punkt, den die UI aus der Bewegung des Web2.0 lernen könnte. Die UI könnte Werkzeuge bereitstellen, die es Nutzern sehr einfach und intuitiv ermöglicht, eigene Modellierungen durchzuführen bzw. in bestehende, von anderen begonnene Modellierungen und Simulationen Variablen einzubringen, die relevant sind, vom Ersteller aber nicht beachtet wurden. Auf diese Weise kann eine interdisziplinäre Zusammenarbeit stattfinden und disziplinübergreifende Modelle mit weniger blinden Flecken erstellt werden. (Es sei denn, es sind Disziplinen bzw. Falken bestimmter Forschungsrichtungen dabei, die eine Modellierung generell als unmöglich ablehnen 😉 )

Ein weiteres spannendes Feld für die UI könnte das Erstellen von Mashups sein, die bei der Verwirklichung der Ziele der UI unterstützend wirken können. Hier könnte für den Kommunikations- und Bildungsauftrag der UI einiges getan werden.
Problematisch ist allerdings, dass viele der vorhandenen Daten fragmentiert in irgendwelchen („offiziellen“) Datenbanken vorliegen und es keine APIs gibt, über die auf diese Datenbanken zugegriffen werden kann. Aufgabe der UI ist es also auch zu versuchen, diese Datenbanken zu öffnen und APIs bereit zu stellen, damit sie für neue Mashups zur Verfügung stehen.

Zusammenfassend möchte ich mit einem sehr treffenden Zitat von Tim O’Reilly aus dem Film Web2.0 (27:09) schließen, das auch für die Umweltinformatik gesehen werden kann:

Web2.0 is not about software, it is about Data

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Potentiale von Web2.0 für die Umweltinformatik

2 Mai, 2008

So lautet der wohlklingende Titel meiner Diplomprüfung, die ich als nächstes zu absolvieren habe. Die Einträge im Blog werden also erst mal etwas mehr in diese Richtung gehen.

Ich habe mich früher schon mit dem Entstehen und Abgrenzen von wissenschaftlichen Disziplinen beschäftigt und hier stellt sich ganz akut wieder die Frage: Was ist eigentlich Umweltinformatik? Was will sie? Was gehört dazu? Was nicht mehr?

Nach meinem bisherigen Erkenntnisstand und Recherchen in Texten und auf Internetseiten der entsprechenden Institute sind die Selbstverständnisse vielfältig. Es geht um die Steigerung der Ressourceneffizienz, dazu können Stoffstromanalysen oder auf neudeutsch Life Cycle Assessments durchgeführt werden. Betriebliche Umweltinformationssysteme (BUIS) bzw. ERPs werden aufgebaut, um eine Umweltrechnungslegung zu ermöglichen. Die Modellierung nimmt einen wichtigen Stellenwert ein. Dabei werden (diskrete und kontinuierliche) Simulationen durchgeführt, um komplexe Probleme zu vereinfachen und greifbarer zu machen. Dies geschieht häufig über eine Visualisierung von (Umwelt-)Daten zum Beispiel auch über Geografische Informationssysteme (GIS). Damit hat die Umweltinformatik nicht zuletzt die Aufgabe, Kommunikationsprozesse zu fördern und Werkzeuge bereitzustellen, Menschen zu helfen, kreativ und kommunikativ mit dem Computer arbeiten zu können.

Eben hier stellt sich die Frage danach, was denn nun alles noch zur Umweltinformatik gehört und was nicht mehr. Fällt alles, sobald es einen Raumbezug hat, in den Kompetenzbereich der Umweltinformatik? Wohl kaum, nicht jede Adresse eines Pizzalieferanten ist für die UI relevant, kann aber georeferenziert werden. Was ist hier die Abgrenzung zur Geoinformatik?
Hat mit Google Earth die Umweltinformatik Einzug in (fast) jeden Haushalt gehalten? Mit diesem „GIS-für-alle-Tool“ kann sich jeder umweltrelevante Informationen auf seinen Bildschirm ziehen. Aber ist es damit ein Werkzeug der UI?

Zur Zeit denke ich in die Richtung, dass eine wesentliche Komponente der UI im Gegensatz zu anderen angewandten Informatiken die kommunikative Komponente ist. Computer sollen genutzt werden, um zu „Strukturieren, Analysieren, Konzipieren, Kooperieren, Kommunizieren und Kontrollieren“ (http://umweltinformatik.uni-lueneburg.de/Portal/index_d.htm 2.5.08). Die UI hat einen interdisziplinären Ansatz, der die Sichtweisen verschiedener Disziplinen auf ein Problem einbinden möchte. Auf diese Weise sollen komplexe Zusammenhänge beleuchtet und dargestellt werden können. Hier ist auf jeden Fall eine Schnittstelle zum Web2.0 vorhanden, die in einem späteren Eintrag noch einmal beleuchtet werden soll. Mit dem Einbinden von verschiedenen Nutzern kommt auch eine Vielzahl von Perspektiven dazu.

Die Unklarheit in der Abgrenzung, was Umweltinformatik ist und was nicht mehr bleibt aber noch größtenteils.


Lernen mit neuen Medien – ab wann?

18 Dezember, 2007

Eine Grundschullehrerin, der ich meine Diplomarbeit vorstellte, fragte mich, für welche Zielgruppe ich denn eigentlich schreibe. Anders gefragt, ab wann macht der Einsatz neuer Medien bzw. Werkzeugen des Web2.0 Sinn?
Ich finde das eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Ich würde aber sagen, dass das Lernen mit neuen Medien erst dann Sinn macht, wenn die Kompetenzen zu Reflexivität aufgebaut sind. In dem Lernen in hybriden Lernumgebungen ist ein wesentlicher Aspekt, der immer wieder auftritt, das bewusste Reflektieren des Medieneinsatzes und der Potentiale und Restriktionen der einzelnen Werkzeuge.
Dazu muss aber ein ziemlich fortgeschrittener Reflexionsgrad erreicht sein. Erst einmal muss mit Klafki das gestaltende Handeln erprobt werden, danach erst sollten m.E. neue Medien eingesetzt werden.
Wann ist diese Entwicklungsstufe in etwa erreicht? Ich weiß es nicht, da werde ich jetzt noch einmal recherchieren müssen.


Es tut sich was – Web2.0 in der Schule

18 Dezember, 2007

Es scheint tatsächlich mehr als ein Hype zu sein. Der Rummel um Web2.0 trägt Früchte.
Das Portal Schule Zwo Null (via Gabi Reinmann) richtet sich explizit an LehrerInnen, die ihren Unterricht nach konstruktivistischer Didaktik gestalten wollen und gibt sehr praktische Hinweise, wie die verschiedenen Tools, die es inzwischen für das kollaborative Lernen gibt, im Unterricht sinnvoll verwendet werden können.
In dem Projekt Web2.0 Klasse, das Werkzeuge des Web2.0 eingesetzt und die Ergebnisse in einem Wiki veröffentlicht hat, hat der Einsatz der kollaborativen Werkzeuge einen sehr positiven Einfluss auf die Lernmotivation (via edublog-phr). Das ist doch erfreulich. Gleichzeitig muss aber noch viel an den Rahmenbedingungen geschehen, damit Web2.0 im Unterricht tatsächlich genutzt werden kann.

Auch an diesen beiden Beispielen wird wieder deutlich, dass es bei Web2.0 nicht um die technischen Neuerungen geht, sondern vielmehr um eine veränderte Betrachtungsweise der Möglichkeiten. In dem Sinne stimme ich den Überlegungen von Helge Städtler zu dem Buzzword Web2.0 auch voll zu.


Lehrer haften für ihre Schüler?

28 Juni, 2007

Die rigorosen und sehr restriktiven und einschränkenden Urteile des Hamburger Landgerichts gegenüber Betreibern von Web2.0 Plattformen sind ja in der Blogosphäre viel kommentiert worden.

Was aber bedeuten die Urteile für das E-Learning in Bildungseinrichtungen? Wenn ein Teilnehmer einen anderen verunglimpft, und sei es in der Hitze der Diskussion, ist der Betreiber, also der Anbietende der Lehrveranstaltung für die Äußerung haftbar? Das wäre eine sehr krasse Konsequenz und könnte grobe Auswirkungen auf das Anbieten von solchen Portalen haben. Also nicht nur „freie“ Portale im Internet wären betroffen, sondern auch zu Bildungszwecken eingesetzte Lernumgebungen. Ganz abgesehen davon, dass es unsinnig wäre, da für in Seminaren getroffene Aussagen (meines Wissens) die Veranstalter nicht belangt werden können.

Oder liege ich mit meiner Einschätzung falsch, weil es quasi geschlossene Veranstaltungen sind o.ä.? Da fehlt mir das Fachwissen.

Zum Glück ist die Rechtsprechung außerhalb des LG Hamburg deutlich realistischer und das LG Hamburg steht mehr und mehr isoliert da.


Web2.0 in der Hochschule

27 Juni, 2007

Auch wenns langsam langweilig wird, weil alle drüber berichten… Noch druckfrisch hier der Bericht von Franklin und van Harmelen vom 28.5.2007 zu Web2.0 in der Hochschule. Kritisch setzt sich Peter Baumgartner mit Social Software im Hochschulbereich auseinander.

via Deutscher Bildungsserver hier und hier


Lesenswerter Artikel zu Web2.0 – Charakteristiken und Potenziale

25 Mai, 2007

Stefanie Panke hat einen kompakten und gut zu lesenden Überblicksartikel zu den Charakteristika und Potenzialen von Web2.0 auf e-teaching.org veröffentlicht.

Via Deutscher Bildungsserver